Chronik

Geschichte der Ötisheimer Wehr

„Wohltätig ist es Feuers Macht, wenn sie er Mensch bezähmt, bewacht“

sagt Schiller in der „Glocke“

Diese Erkenntnis haben die Menschen wohl schon gewonnen, als sie das Feuer in ihren Dienst nahmen. Die Frauen, die dafür zu sorgen hatten, dass die Flamme nicht erlosch, waren auch die ersten Hüterinnen des Feuers.

Brach dieses aus der Feuerstelle aus, vernichtete es Hab und Gut. Die bei unseren Vorfahren übliche Bauweise, Holzbau ohne Fundament, mit Strohdach, später Holzfachwerk, oft nur Holzflechtwerk mit Lehm beworfen, bot dem Feuer reiche Nahrung. So ist es verständlich, dass besonders in Kriegszeiten ganze Dörfer abbrannten, und oft blieb nur der Name der Nachwelt erhalten.

Als man zum Schutz vor Überfällen um die Ansiedlungen Mauern aufrichtete, wurden die Wohnhäuser und Scheunen im Lauf der Jahrhunderte auf engen Raum immer mehr zusammengedrängt und die Brandgefahr dadurch vergrößert.

Der uns aus Bildern und Anekdoten noch vertraute Nachtwächter hatte in den Gemeinden eine außerordentlich schwere und wichtige Aufgabe zu erfüllen. Weder der Wächter noch die Gemeindeverwaltung konnten aber die Brandgefahr mindern, denn es fehlte eine wirksame Brandbekämpfung. Wohl war die Bevölkerung zur Brandbekämpfung aufgerufen, aber diese blieb lange eine unzulängliche Sache. Es fehlte an zureichenden Geräten für eine wirksame Brandbekämpfung und an der Organisation der freiwilligen Helfer. Wann in Ötisheim die Feuerwehr gegründet wurde, ist aus den vorhandenen Akten nicht zu ersehen. Doch liegt ein Brandbericht aus dem Jahr 1840 vor, der über den Einsatz der Ötisheimer Wehr in Eutingen berichtet. Mit Datum vom 12.01.1843 richtet das Großherzogliche Oberamt in Pforzheim ein Dankschreiben an den Gemeinderat in Ötisheim für in Dürrn geleistete Brandhilfe.

Aber aus dem Jahr 1885 haben wir genauere Unterlagen. Da finden wir eine Zusammenstellung der Ausrüstungsgegenstände für die neu zu gründende Feuerwehr. Wahrscheinlich war durch die Landesfeuerlöschordnung vom 07.06.1885 neuer Schwung in die Wehren gekommen. Davon zeugt auch die Lokalfeuerlöschordnung , die am 09.06.1909 vom Königl. Oberamt Maulbronn genehmigt wurde.

In der Anlage dazu sind auch die Spritzgeräte aufgeführt, die der Wehr zur Verfügung standen: eine Saug- und Druckspritze, dazu eine kleine zweirädrige Druckspritze. Es wurden 6 Züge mit zusammen etwa 100 – 120 Männern aufgestellt.

Die Feuerwehren erhielten durch die neue Feuerlöschordnung von 1894 neue, straffe Ordnung und damit die Grundlage zu ihrer Schlagkraft.

Immer wieder berichten die Rapportbücher von Maßnahmen zur Erhaltung der Disziplin. So wird erzählt, dass ein Wehrangehöriger wegen unordentlicher Kleidung nicht an der angesetzten Übung teilnahmen dürfte. Dass die Rapportbücher dem Bürgermeisteramt und dem Oberamt zur Einsicht vorgelegt werden mussten, gab den Wehren starken Rückhalt.

Durch das starke Anwachsen der Gemeinde waren aber mehr wehrtaugliche Männer vorhanden als nötig waren. Deshalb entschloss sich die Wehr zur Umorganisation. Am 12. 06.1910 wurden die ersten Besprechungen wegen der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr geführt, am 04.09.1910 erfolgte dann die Schaffung der neuen Wehr.

Die Dienstzeit wurde auf das 21. bis 40. Lebensjahr begrenzt. Männer, die keinen Dienst in der Wehr leisten wollten oder aus beruflichen Gründen nicht leisten konnten, wurden zu einer Feuerwehrabgabe herangezogen. Offenbar war aber diese Abgabe zu nieder angesetzt, denn viele Männer zogen es nun vor, ihre Feuerwehrsteuer zu bezahlen, statt Dienst zu machen. Erst die Heraufsetzung der Steuer beseitigte diese Anfangsschwierigkeiten und sicherte den notwendigen Mannschaftsbestand.

Durch die Gründung der Feuerwehr-Musikkapelle erhielt die Wehr weiteren Auftrieb. Sie nahm regen Anteil an den Veranstaltungen der Wehr.

Schon am 17.10.1911 wurde die junge Wehr vom Beauftragten des Oberamts Maulbronn, Feuerlöschinspektor Äckerle, besichtigt.

Bei verschiedenen größeren Brandfällen, so 1905 in der Hinteren Gasse , wo 8 Wohnhäuser und 6 Scheunen abbrannten, erkannte die Wehr , dass die vorhandenen Leitern, - 2 Stützleitern von 10 m Länge und zwei Anstellleitern - nicht ausreichten und beantragte deshalb die Anschaffung einer mechanischen Leiter.

Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges kam die Wehr fast zum Erliegen. Nahezu alle Männer der Wehr wurden im Verlaufe der Kriegsjahre einberufen. Durch Erhöhung der Altersgrenze auf 65 Jahre suchte man die Organisation intakt zu halten.

23 Feuerwehrmänner kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Am 27.04.1920 wurde die Wehr neu aufgestellt, wobei die militärische Ordnung etwas gelockert wurde: „Offiziere“ wurden durch „Zugführer“ ersetzt.

Es ist ganz besonders hervorzuheben, dass Steinhauermeister Karl Heugel, der schon seit 1908 Kommandant der Wehr war, sich wieder zur Verfügung stellte. Seiner Sachkenntnis und Kunst der Menschenführung ist es wohl zu verdanken, dass die schwierige Anfangszeit bald überwunden war und die Wehr ihre alte Form und Schlagkraft fand. Wie notwendig das war, zeigt der Brand unseres alten Schulhauses am 11. und 13. 12. 1921. Dem tatkräftigen Einsatz der Wehr ist es zu verdanken, dass das Gebäude nicht vollständig abbrannte.

Die Geldentwertung der Inflationsjahre machte auch unserer Wehr Sorgen. „Fünf Bogen Papier kann ich noch kaufen“ , klagte der Kassier; doch viel schlimmer war es, dass die Gemeinde die so dringend nötige mechanische Leiter unter diesen Umständen nicht beschaffen konnte.

Im Jahr1923 schloss sich der von Karl Schmid geleitete Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr an. Herr Schmid führte den Zug in vorbildlichem und selbstlosem Einsatz bis zum Jahre 1957. Dann übergab er die Stabführung an Gottlieb Schmid.

Mit großen Erwartungen traf die Wehr die Vorbereitungen zum Bezirksfeuerwehrfest am 17. 06. 1928. Nach den Übungen und dem Festzug durch das festlich geschmückte Dorf versammelten sich die erschienen Wehren in der damaligen Festhalle, der heutigen Dreschhalle. Der Chronist vermerkte am Ende seines Berichts recht trocken:

„Viel Arbeit – wenig Ertrag!“

Voll Stolz führte die Wehr beim Feuerwehrtag in Maulbronn im Jahre 1930 ihre neue mechanische Leiter vor und freute sich des Beifalls.

Es wäre undankbar, wenn in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Ötisheim nicht der 13.07.1937 erwähnt würde, an dem der langjährige Kommandant Karl Heugel altershalber sein Amt zur Verfügung stellte. Was er für die Wehr in 30-jähriger Dienstzeit geleistet hat, darf nicht vergessen werden. Nunmehr übernahm Fritz Heugel die Führung der Wehr, die er bis zum Ende des 2. Weltkrieges innehatte.

Sofort nach Kriegsende musste die Wehr wieder neu aufgestellt werden. Unter Leitung von Fritz Lorch geschah dies rasch und zielstrebig, sodass die Wehr alsbald ihre alte Schlagkraft und Einsatzfähigkeit hatte. Im Jahre 1953 übernahm Otto Vinnay die Wehrführung, die er dann 1959 an den Kommandanten Erwin Kuhn weitergab.

Durch Teilnahme an Kursen konnte der Ausbildungsstand der Wehr wesentlich verbessert werden. Die Gemeindeverwaltung unterstützte die intensive Arbeit in der Wehr durch den zusätzlichen Bau von Wasserentnahmestellen im Erlenbach, aber auch durch die Beschaffung von Geräten und Uniformen. 1953 wurde die alte TS 8 durch ein leistungsfähigeres Modell ersetzt.

Am Kreisfeuerwehrtag der vom 20. – 22.07.1963 in Ötisheim stattfand, wurde der Wehr, das von der Gemeinde neu beschaffte Löschgruppenfahrzeug LF 8/TS übergeben. Gleichzeitig erfolgt die Schlüsselübergabe für den neuen Fahrzeug- und Geräteraum. Die ganze Gemeinde hat an diesen Festtagen teilgenommen; ganz besonders freute sich die Wehr über die Festgabe, wurde doch damit ihre Einsatzbereitschaft erhöht und die Brandbekämpfung erleichtert.

Die Ausrichtung des Kreisfeuerwehrtages war eine große Herausforderung an die örtliche Wehr. Die Planung hatte eine 2 jährige Vorlaufzeit.